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Jazzkantine: „Stöbern, kramen, suchen gehört zur ‚anfassbaren‘ Musikkultur“

„Ich unterstütze die Plattenladenwoche, weil der gutsortierte Plattenladen für die urbane Musik-Kultur, für Orientierung und Inspiration definitiv unersetzbar ist “ (Jan-Heie Erchinger)

„Ich unterstütze die Plattenladenwoche, weil es gut tut mal für ´n Stündchen vom Rechner wegzukommen!“ (Tom Bennecke)

„Ich unterstütze die Plattenladenwoche, weil ich alles was nicht nur von Groß-Konzernen gesteuert wird gut finde.“ (Cappuccino)

Jazzkantine
Jazzkantine

Wie wichtig ist für Euch der Fachhandel in Zeiten von Internet und MP3, sowohl als Musiker als auch als Kunden und Musikfans?

Jan-Heie Erchinger: In Ruhe stöbern, kramen, suchen. Das gehört für mich nach wie vor zur „anfassbaren“ Musikkultur. In einen Laden reinkommen und fragen, was da gerade Geiles läuft – super! Sich dafür bewusst Zeit nehmen ist elementar erbaulich!

Cappuccino: Den Fachhandel sollte es weiterhin geben, ich persönlich bin allerdings Internet-verseucht und gehe kaum  in einen Fachhandel.

Tom Bennecke: Plattenladen macht viel mehr Spaß, weil Platte anfassen, angucken, reinhören – auch mit Freunden, mit dem Verkäufer drüber reden. Das Internet nutze ich dafür nur wenn´s unbedingt sein muss. Auserdem klingt MP3 scheisse!

Welche Bedeutung haben Plattenläden für die Musikkultur im allgemeinen und für Eure Musik im besonderen?

Cappuccino: Ich kenne ein paar Vinyl-Käufer, für die ist ein Fachhandel wohl noch sinnvoll. Ich persönlich war nie der große Plattenkäufer und bin immer nur in großen Discounts einkaufen gegangen.

Jan-Heie Erchinger: Gerade im Jazz und Funk  war und ist der gutsortierte Plattenladen eine Inspirations- und Orientierungshilfe. Was machen die Streber-Schweden? Scheisse, wie sahen die denn von Funkadelic aus?

Tom Bennecke: Dort können auch regionale Bands präsentiert werden, durch spezielle Regale und Kozertplakate.

Wann und wo habt Ihr Eure ersten Schallplatten oder CDs gekauft, und welche Erinnerungen verbindet Ihr mit Plattenläden?

Tom Bennecke: In den frühen 70ern im Braunschweiger „Musicland“. Das waren die ersten Ausflüge in die von mir sehr bewunderte Welt der Rockmusik.

Jan-Heie Erchinger: Bei City-Music in Braunschweig. Ein Kult Laden des SPV-Gründers. Da haben in den 80ern Trio und die Ärzte gespielt, da hab´ ich mir die erste Prince-Platte gekauft!

Cappuccino: Kohlmarkt in Braunschweig – Musik Mewes! Ich war jung und brauchte Musik!

Was sind Eure aktuellen CD-Tipps, und welche Musiker und Alben sollten in keinem CD-Regal fehlen?

Jan-Heie Erchinger: Der letzte aktuelle Hammer ist „Stadtaffe“ von Peter Fox und die von mir mitgemachten Jazzkantine „Hell´s Kitchen“ und Bahama Soul Club „Rhythm is what makes Jazz Jazz“ muss ich hier auch nochmal stolz empfehlen! Leider sollte „Off the Wall“ von Michael Jackson jetzt nicht mehr fehlen ( wo ist meine nur hin!? – hat irgendwer gezockt! ) .

Tom Bennecke: Eine dem besten VÖs der letzten Jahre: Herbie Hancock – River: the Joni Letters. Auch super ist die neueste von U2. Ein paar ältere „Pflichtplatten“: The Impressions – Right On Time (Single Sammlung ´61 bis ´68), Joni Mitchell – Both Sides Now, Wes Montgomery – So much Guitar, Santana – Caravanserai und Parliament – Mothership Connection.

Cappuccino: Chris Whitley, Ill Nino, Rat Pack, Bob & Damian Marley.

Kitty Hoff: „Es geht nichts über persönliche Musiktipps“

„Ich unterstütze die Plattenladenwoche, weil ich Aug-in-Aug-Plattenkäufe mag!“

Kitty Hoff (Foto: Bernd Brundert)
Kitty Hoff (Foto: Bernd Brundert)

Wie wichtig ist für Dich der Fachhandel in Zeiten von Internet und MP3, sowohl als Musiker als auch als Kunde und Musikfan?

Es geht nach wie vor nichts über persönliche Musiktipps von begeisterten Plattenhändlern und stundenlanges aktives Durchschauen, Durchhören und Entdecken von neuer und alter Musik. Es ist einfach anders, eine CD oder Platte in Händen zu halten, beim Probehören das Booklet anzusehen und zu merken: die MUSS ich jetzt einfach haben. Und dann geht man mit einer Tüte voller neuer Akustikschätze aus dem Laden und der Tag ist gerettet!

Welche Bedeutung haben Plattenläden für die Musikkultur im allgemeinen und für Deine Musik im besonderen?

Allgemein geben Plattenläden der Musik den Stellenwert, den sie verdient. Es sollte einfach nach wie vor Orte geben, die explizit und persönlich das Kulturgut Musik präsentieren und vertreiben. Für mich als Künstlerin ist es darüber hinaus ein großes Glück, über Wochen mit einem schönen großen Bild im Schaufenster des Lieblingsplattenladens gezeigt und wärmstens empfohlen zu werden (so geschehen zum Release meines aktuellen Albums „Zuhause“ (April 2009)). Was Tolleres kann ich mir echt nicht vorstellen :0)!

Wann und wo hast Du Deine ersten Schallplatten oder CDs gekauft, und welche Erinnerungen verbindest Du mit Plattenläden?

Meine erste selbstgekaufte Musik war eine Platten-Single Mitte der Achtziger und zwar „Tainted Love“ von Soft Cell, großartig. Ich kaufte sie im Münsterschen Plattenladen „Das Ohr“, den es heute leider nicht mehr gibt. Das war ein Laden mit absoluten Spezialisten hinter dem Tresen, die alles, aber auch wirklich alles kannten. Und wenn man den Titel eines Songs, den man unbedingt haben wollte, nicht wusste, konnte man ihn dem Verkäufer/in einfach vorsummen und die Sache war klar…!

Was sind Deine aktuellen CD-Tipps, und welche Musiker und Alben sollten in keinem CD-Regal fehlen?

Gerade gekauft habe ich 2 tolle Sampler, einmal „Acoustic Brazil“ von Putumayo World Music (wunderbare akustische Bossa Nova-Nummern) und dann „Hilfe! Mein Geld ist weg!“ von Bear Family Records (sehr lustige Zusammenstellung von alten Schätzchen zum Thema Wirtschaftskrise).

In meinem Regal steht seit Ewigkeiten eine oft gehörte Platte mit Bach-Kantaten (Aufnahme mit dem Dresdner Kreuzchor) zum Gedanken-Ordnen. Und dann habe ich sehr viele Lieblingsplatten der französischen „Nouvelle Scène“ des Chanson: B. Biolay, Keren Ann, C. Clément, Mathieu Chedid, Mathieu Boogaertz, Camille, Clarika… kennen leider hierzulande viel zu wenige. Alors: kaufen!