Concerto Köln: „Plattenläden sind Neugier weckende Zentren für alle Musikliebhaber“

Concerto Köln (Foto: Giampiero Corelli)

Martin Sandhoff, künstlerischer Leiter und Flötist des Orchesters Concerto Köln – bekannt und beliebt durch die originalgetreue Aufführung von Musik des 18. und frühen 19. Jahrhunderts – beschreibt im Plattenladenwoche-Interview seinen Bezug zum Plattenladen:

Welche Bedeutung haben Plattenläden für die Musikkultur im allgemeinen und für Ihre Musik im besonderen?

Als Sammelstelle für jegliche aufgenommene Musik waren diese Läden informative und zugleich empfehlende, Neugier weckende Zentren für alle Musikliebhaber. Dem Verkäufer kam in seiner Funktion als Marktkenner ganz besondere Bedeutung zu hinsichtlich seiner Tipps für neue, andere oder wie auch immer besondere Einspielungen jedweden Genres. Ich erinnere mich an unzählige Stunden mit sehr gebildeten Kennern der Szene, sei es in der Klassik oder im Jazz wie in meinem Fall. Hier konnte man den sprichwörtlichen Blick über den musikalischen Tellerrand werfen und die Neuentdeckungen gleich mit nach Hause nehmen. Heute findet dieser Blick relativ einsam zu Hause beim Zwiegespräch mit dem PC statt. Schade, oder?

Wann und wo haben Sie Ihre ersten Schallplatten oder CDs gekauft, und welche Erinnerungen verbinden Sie mit Plattenläden?

Meine ersten lebhaften Erinnerungen verbinde ich mit den häufigen Gängen zu Saturn in Köln während meiner Studienjahre Anfang der Achtziger, möglichst nur mit abgezähltem Geld und ganz sicher ohne Kreditkarte – zu groß war die Versuchung, in diesem herrlichen Paradies zu stranden und anschließend am Rhein schlafen zu müssen. Stunden habe ich hier zugebracht mit dem Anhören von mir bis dahin unbekannter Musik, und manchen Schatz durfte ich mit nach Hause tragen. Unvergessen auch die Gespräche mit ausgesprochen gebildeten und bestens informierten Verkäufern, die mich auf immer neue Spuren gebracht haben.

Was sind Ihre aktuellen CD-Tipps, und welche Musiker und Alben sollten in keinem CD-Regal fehlen?

Auf die Insel würde ich ganz viel Mozart mitnehmen, zum Beispiel die Così mit René Jacobs oder das Klarinetten-Quintett , natürlich die Opern und die Klavierkonzerte – schwer, hier etwas stehen lassen zu sollen. Ravel käme ins Gepäck, aber auch Keith Jarrett mit dem „Köln Concert“ oder „The Melody At Night“, Tom Jobim genauso wie Miles Davis, Sting oder Al Jarreau. Momentan höre ich mich durch die endlosen Weiten lateinamerikanischer Musik mit Schwerpunkt Brasilien und bin erschlagen vom Reichtum der melodiösen und sprachlichen Poesie vieler Balladen, Bossas oder Sambas. Ich mag Sara Tavares mit ihrer CD „Balancê“.

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